Vortrag: Medienkulturen in Familien

Impulse für eine lebenslagensensible medienpädagogische Familienbildung

Prof. Dr. Katrin Schlör (Evangelische Hochschule Ludwigsburg)

Mediennutzungsweisen in Familien unterliegen wie kaum eine andere Erziehungspraxis normativen Bewertungen durch die Gesellschaft. Gleichzeitig wachsen durch die Pluralisierung und Entgrenzung von Familie sowie die Mediatisierung und Virtualisierung des familialen Alltags die Herausforderung für das Zusammenleben. Dies hat zur Folge, dass Doing Family-Strategien, im Sinne der Herstellung und Bestärkung des Familiensystems vermehrt mit und durch Medien ausgeübt werden. Hierzu zählen sowohl kommunikative und rezeptive Praktiken, als auch die aktiv-produktive Aneignung von Bildschirmspielen, Musik, Fotografie und Videografie.

In dieser Perspektive zeigt sich die große Bedeutung der intergenerationellen Medienbildung für Familien. Durch die gemeinschaftliche Beschäftigung mit Medien, die Beobachtung von medienbezogenen Bewältigungspraktiken anderer Familienmitglieder und die Wahrnehmung unterschiedlicher Geschmacks- und Nutzungsmuster ‚aneinander’ werden Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster, und damit Medienkulturen in Familien, gleichermaßen verinnerlicht und hinterfragt.

Um zentrale theoretische Befunde in die Praxis zu transferieren, gibt der Vortrag Anregungen für lebenslagensensible Medienbildungsangebote für Familien unter anderem im Kontext von Handlungsorientierung, Intergenerationalität und Individualität.

Die Prämisse der Lebenslagensensibilität nimmt auch die Gesellschaft und insbesondere die Pädagogik in die Verantwortung, Familien nicht vorschnell zu verurteilen, sondern normative Bilder legitimer familialer Medienpraktiken zu überwinden, gegebenenfalls Diskussionen auf Augenhöhe anzustoßen, Familien Wertschätzung für ihre Bewältigungsstrategien entgegenzubringen und sie mit entsprechenden Angeboten hinsichtlich einer selbstbestimmten Mediennutzung zu unterstützen.


Prof. Dr. Katrin Schlör Professorin für Kulturarbeit, ästhetische und kulturelle Bildung in der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Medienbildung an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg – Campus Reutlingen.
Tätigkeiten/Arbeitsschwerpunkte: Gründungsmitglied der Medienakademie Baden-Württemberg; Workshops und Vorträge u. a. für die Themen Mediensozialisation in der Familie, Familienfotografie, Social Media, Cybermobbing, (Kinder)Fernsehen, kindliche und jugendliche Medienwelten; zertifizierte medienpädagogische Referentin für das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg für verschiedene Projekte des Kindermedienlandes Baden-Württembergs bspw. Eltern-Medienmentoren-Programm, 101 Schulen, Bildungsprojekt Medienkompetenz; medienpädagogische Referentin für die Aktion Jugendschutz im Rahmen des LandesNetzWerks für medienpädagogische Elternarbeit sowie für die Initiative Kindermedienland in dem Projekt: Medienpädagogische Fortbildung für die Sozialpädagogische Familienhilfe und migrationssensible medienpädagogische Angebote.